Seniorenkreis 

 Am 1. Dienstag eines Monats stehen die Türen des Martin-Luther-Hauses um 14.30 Uhr weit offen, denn alle Seniorinnen und Senioren unserer Gemeinde sind eingeladen und sehr herzlich willkommen. Drinnen duftet es schon verlockend nach Kaffee und an den liebevoll  gedeckten Tischen kann man alle Einsamkeit vergessen. Wir bieten einen abwechslungsreichen Nachmittag, bei dem Leib, Seele und Geist gestärkt und erfreut werden sollen.Wir freuen uns jedes Mal auf ein Wiedersehen mit den bekannten Teilnehmerinnen, begrüßen aber sehr gerne auch neue Gäste.
Kommen Sie doch auch! 

Als Termine im Jahr 2018 sind geplant:

09. Januar

06. Februar

06. März

27. März Tischabendmahl in der Karwoche

10. April

08. Mai

05. Juni

03. Juli

August Sommerpause

04. September

02. Oktober

06. November 

20. November: Tischabendmahl vor Buß- und Bettag

04. Dezember Adventsfeier

 

Predigt über 1. Johannes 3, 1-2

Detlef Häusler (ev)

25.12.2011 in der Versöhnungskirche Stuttgart-Büsnau

einfache Gemeindepredigt am Christfest

Söhne und Töchter Gottes!

Vor ein paar Jahren fragte mich einmal einer meiner Schüler: "Was heißt eigentlich: Sohn Gottes?" Als ich versuchte, ihm zu antworten, da fing ich überhaupt selbst erst einmal an zu verstehen. Meine Antwort ging etwa so: „Was meinst du, siehst du mehr deinem Papa ähnlich oder deiner Mama?“ – Wir sprachen dann über seine Nase, Augen und Haare und auch darüber, dass er von beiden Eltern etwas hat.

Je älter wir werden, desto deutlicher spüren wir allerdings, dass wir von unseren Eltern viel mehr mitbekommen haben als bloße Äußerlichkeiten. Wir sind keine Kopie unserer Eltern. Auf keinen Fall! Wir entwickeln viel Neues und Eigenes in unserem Leben. Aber bei allem ganz Eigenen und Neuen trägt es noch immer Spuren auch unserer Eltern.

Zu meinem Schüler meinte ich damals: „Siehst du, ich schaue dich an, und obwohl ich deine Mama und deinen Papa nicht kenne, sehe ich doch ein bisschen was von den beiden in dir. Ich schaue dich an und sehe ein Stück von deinem Papa. Ich sehe dich an und ahne ein bisschen, wie deine Mama ist.“

Wenn die christliche Kirche bekennt, Jesus sei Gottes Sohn, dann bedeutet das: Wir sehen Christus an und bekommen einen Blick auf Gott geschenkt. Wir schauen den Menschgewordenen an und uns kann eine Ahnung vom Ewigen aufgehen.

Christus ist Gottes Sohn bekennt die Kirche.

Aber noch mehr als das!

Lesung: 1 Johannes 3, 1-2

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ (v. 1)

Nicht nur Christus soll Gottes Sohn sein. Nein, auch wir – hier und heute –, auch wir sind angeblich Gottes Kinder, Töchter und Söhne des Ewigen!

Die altgriechische Sprache, in der der Johannesbrief geschrieben ist, kennt zwei unterschiedliche Worte für unser deutsches Wort „Kind“: einmal ein Wort, das die Betonung darauf legt, dass ein Kind lernen und heranwachsen muss. Von diesem Wort (παῖς) leitet sich unser Begriff der „Pädagogik“ ab. Zum andern gibt es ein Wort für „Kind“, das auf den Vorgang der Zeugung und Geburt, also auf die Abstammung verweist. Der Apostel verwendet genau dieses Wort (τέκνον), wenn er uns als „Kinder Gottes“ bezeichnet. Wir stammen von Gott ab, schreibt er.

Das heißt: Auch wir tragen Züge, tragen Spuren Gottes in uns und mit uns. Der Ursprung unseres Lebens liegt in Gott und ist für immer auch mit Ihm verbunden – so sehr, wie Kinder immer Kinder ihrer Eltern sein werden.

Eine kurze Anmerkung an dieser Stelle: Wenn heute morgen Begriffe aus dem Familienbereich verwendet werden, um von der Beziehung zwischen uns und Gott zu reden, dann ist das ein sprachliches Bild für etwas im Grunde Unsagbares. Um dieses Bild „Eltern und Kind“ als Symbol für die Beziehung „Gott und Mensch“ richtig verstehen zu können, dürfen wir nicht an Extremfälle denken wie etwa total zerrüttete Familienbeziehungen. Um dieses sprachliches Symbol angemessen zu entschlüsseln, müssen wir von einer allgemeinen Vorstellung einer gelungenen Eltern-Kind-Beziehung ausgehen – der Idealform, sozusagen.

Was würde es nun bedeuten, wenn der Apostel Johannes Recht hätte und wir tatsächlich „Kinder Gottes“ wären?

Drei Punkte möchte ich nennen:

Erstens: Wenn wir tatsächlich „Kinder Gottes“ wären, dann wäre das ein beachtliches Geschenk – ein Gabe: nämlich die, dass wir in Zeit und Raum lebende Menschen mit dem ewigen, alles umfassenden Gott so eng und innig verbunden sind, wie es intensiver nicht geht;

dass wir – auch jetzt in diesem unserem Leben – Anteil haben an Gottes Wesen und Art.

Wenn wir tatsächlich „Kinder Gottes“ wären, dann wäre mit dieser „Gabe“ auch zweitens eine „Aufgabe“ verbunden: nämlich die, entsprechend zu leben.

Wenn Gott uns tatsächlich „Vater und Mutter“ ist, müssten wir dann nicht so leben, dass wir erkennbar sind als Wesen, die ein Stück Ewigkeit in sich tragen, Barmherzigkeit, Güte, Liebe?

Wenn wir tatsächlich „Kinder Gottes“ wären, dann folgte daraus drittens – als Gabe und Aufgabe zugleich –, dass wir mit allen Menschen, denen wir begegnen, in der Tiefe eng verbunden sind als „Brüder und Schwestern“, um diesen leider etwas abgedroschenen Ausdruck zu gebrauchen. Aber so abgedroschen es auch sein mag, es gibt wohl kaum einen besseren Ausdruck dafür. Denn wenn es uns gelingt, die Worte „Bruder“ und „Schwester“ in ihrem ganzen Ernst zu denken, zu fühlen und zu sagen, dann vermögen sie noch immer, uns auf eine tiefe Wahrheit aufmerksam zu machen.

Wie gesagt: Unter der Voraussetzung, dass wir tatsächlich „Kinder Gottes“ sind.

Sind wir das?

Für die Antwort möchte ich Sie gerne mit auf mein Sofa nehmen – an einem Sonntagnachmittag zum Beispiel. Manchmal, wenn die Woche recht anstrengend war, kann ich es genießen, am Sonntagnachmittag auf dem Sofa zu sitzen und einen dieser alten Märchenfilme anzuschauen.

Ein klassisches Filmmotiv – das es übrigens schon zu Zeiten griechischer Tragödien gab – besteht in der Geschichte von dem Prinzen oder der Prinzessin, die als kleine Kinder vom Königshof wegkommen, als Findelkinder bei einfachen, armen Leuten aufwachsen und von ihrer königlichen Abstammung weder etwas wissen, noch sie ahnen.

Sie sind Königskinder. Für ihr Leben jedoch spielt das keine Rolle. Es hat keinerlei Bedeutung oder Auswirkung für sie – weil sie nicht darum wissen!

Es zählt nicht nur die objektive Tatsache königlicher Abstammung, sondern es muss auch im Bewusstsein – also subjektiv – verankert sein. Erst dann wird aus dem armen Findelkind königlicher Herkunft auch tatsächlich ein Königskind!

Kinder Gottes sind wir alle. Das behauptet nicht nur der Johannesbrief oder die Schöpfungsgeschichte, wenn sie erzählt: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn“. (Gen 1, 27) Diese enge Beziehung zwischen Gott und Mensch begegnet uns auf Schritt und Tritt in der gesamten Bibel. Nicht zuletzt in jedem „Vater unser im Himmel!“

Kinder Gottes – so wird uns gesagt – sind wir alle. Aber spielt das für unser Bewusstsein, für unser Selbst-Bewusstsein auch eine Rolle? Erst dann schließlich wird aus dem Findelkind auch tatsächlich ein Königskind!

Wie könnte diese Botschaft, dass wir, jede und jeder einzelne von uns, eine königliche Tochter, ein königlicher Sohn des ewigen Gottes sind, für unser Selbstverständnis bedeutungsvoll werden?

Im Johannesbrief heißt es: „Wir werden ihm - also: Gott - gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (v. 2) Kind Gottes werden wir nicht dadurch, dass wir uns diesen Status allmählich und irgendwie erarbeiten, nicht dadurch, dass wir uns mächtig abmühen, damit wir langsam würdig werden, zum Rang eines Adoptivkindes aufzusteigen. Ein Gotteskind werden wir dadurch, dass wir anfangen zu sehen; dass wir anfangen zu erkennen und zu verstehen.

Es geht um Verwandlung und Pflege unseres Bewusstseins.

Wie uns das gelingen kann – dazu möchte ich Ihnen von meiner letzten Klavierlehrerin erzählen. Sie war eine wirklich gute Lehrerin – musikalisch und pädagogisch. Sie unterrichtete nicht nur Musikstudenten und Erwachsene, sondern auch Kinder. Und so stand im Unterrichtsraum manches herum, das eher für Kinder gedacht war. Zum Beispiel ein Puppe mit einer großen, goldenen Krone auf dem Kopf.

(Eine goldene Krone wird gut sichtbar auf die Kanzel gelegt.)

Manchmal setzte meine Lehrerin diese Krone auch ein: Wenn ein Kind etwa ein Bach-Präludium schon spielen konnte, aber das Stück noch nicht wirklich zum Klingen kam – dann durfte sich das Kind die Krone aufsetzen.

Und seltsam – so erzählte mir meine Lehrerin –, kaum hatte das Kind die Krone auf dem Kopf, da straffte sich nicht nur seine Haltung, sondern auch das Spiel wurde strahlender, voller – „herrlicher“ eben.

Es brauchte keine umständlichen Worte. Es brauchte keine ausführlichen Erklärungen, wie das Präludium klingen müsse. Es reichte, dass sich das Kind die Krone auf den Kopf setzte und das Gefühl hatte: „Ich bin ein Prinz! Ich bin eine Prinzessin!“

Wenn Ihnen ein goldenes Krönchen helfen würde, sich als königliches Gotteskind zu fühlen: Nur zu!

Aber es gibt noch andere Hilfsmittel, wie wir unser Bewusstsein pflegen können. Zwei möchte ich nennen.

Erstens: Wenn Sie beten, sagen Sie Gott nicht nur Ihre Bitten oder Ihren Dank, lassen Sie nicht nur Ihr Klagen zu Ihm aufsteigen. Wenn Sie beten, dann nehmen Sie sich auch Zeit, sich selbst als Tochter oder Sohn Gottes anzusehen. Nehmen Sie sich die Zeit, vor Ihm still da zu sein – als Sein Kind.

Versuchen Sie, ab und an einmal, wenn Sie das Vaterunser beten möchten, sich erst innerlich so auszurichten, dass Sie das Wort „Vater“ im ganzen Bewusstsein seiner Bedeutung aussprechen können. Und beginnen Sie erst dann zu sagen: „Vater unser im Himmel …“

Beten Sie so, wie sich ein Kind – auch ein erwachsenes! – mit seiner Mutter oder seinem Vater unterhalten würde.

Zweitens: Je schwerer es Ihnen fällt, sich selbst in dieser königlichen Würde eines Gotteskindes zu sehen, desto mehr können Sie sich jenen Worten und Gleichnissen der Heiligen Schrift zuwenden, die Sie genau dazu ermutigen wollen:

das „Vater unser“ –

„So sollst du beten!“, sagt Jesus!

das Gleichnis vom verlorenen Sohn –

spricht von der unverbrüchlichen Liebe des Vaters!

das Gleichnis vom verlorenen Schaf –

so wichtig bist du in Gottes Augen, dass Er alles andere dafür stehen und liegen lässt!

die Frage Jesu in seiner Mahnung zur Sorglosigkeit, die darin gründet, dass Gott für seine Geschöpfe sorgt, auch für die Vögel unter dem Himmel. Und – so fragt Jesus – bist Du denn nicht viel mehr als sie?!

die allererste Aussage, die in der Bibel überhaupt über den Menschen gemacht wird: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er dich!“

Greifen Sie solche Aussagen der Schrift auf. Kauen Sie sie immer und immer wieder durch. Bis Sie irgendwann anfangen, sie tatsächlich auch zu verdauen, sie aufzunehmen und sich von ihnen stärken zu lassen.

Gott schenke uns allen, dass wir sehen lernen.

Er helfe uns zu erkennen, dass wir keine armen Findelkinder sind, zufällig in diese Welt geworfen,

sondern Königskinder: Söhne und Töchter Gottes. Brüder und Schwestern.

Amen.